Jetzt bin ich hier. Dass wenig Zeit sein würde, um sich für einen langen Blogpost hinzusetzen, war abzusehen, aber dass ich erst eine Woche später dazu komme?
Mittlerweile haben mich die Eindrücke so überflutet, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie in Worte fassen soll. Die Tage detailliert zu erläutern ist unmöglich, also mal sehen... ich denke, was im Blog von Annika und mir schon steht, erwähne ich nicht noch einmal und Bilder lade ich nach der Reise irgendwo hoch.
Dass Annika gerade AKB48-Shows im Fernsehen gucken will, beeinträchtigt meine Fähigkeit zu schreiben hoffentlich nicht 8D
Ach, wo fange ich an. Dem Abschied? Dass meine Mutter so weinen musste, war jedenfalls unerwartet, ich hoffe, sie macht sich nicht die ganze Zeit über Sorgen. (Ja, unser Verhältnis hat sich merklich gebessert.)
Die Vorfreude im Flugzeug. Ich konnte bis zur Wartezeit in Moskau nicht fassen, dass ich auf dem Weg nach Japan bin. Erst, als das Ende des Gefühls, dass das Flughafenpersonal auf seine Kunden scheißt, in Sicht kam, und wir von Japanern umgeben waren, wurde es mir zumindest halbwegs bewusst.
In Narita angekommen war ich völlig von der Rolle, ich konnte nicht gleichzeitig denken und den Anderen zuhören. Ich musste zwar immer mal wieder Tränchen wegblinzeln, aber letztlich war es doch eher schockierend, plötzlich da zu sein.
Schon während der Autofahrt hab ich alles um mich herum innerlich aufgesogen und hätte am liebsten alles kommentiert. Das klingt absurd, aber mir erschien die Landschaft wie gemalt, fast so, als wäre ich tatsächlich mit dem Gemälde in meinem Kopf konfrontiert.
Diese grauen Klötze, durch die wir anfangs fuhren, ich fand sie nicht schön. Aber es war so 'anders' das alles vor sich zu haben, dass dasselbe wie 'schön' dabei raus kam.
Direkt Tempura zu essen war leider keine gute Idee, denn danach wurde mir in der brütenden Hitze, die ich wirklich noch nie zuvor irgendwo erlebt habe, da ich noch nie außerhalb Europas war, schwindelig und schlecht und der Jetlag setzte ein.
Die ersten Tage hat er mir wirklich Angst gemacht. Ich hatte Herzrasen beim Einschlafen, konnte nichts essen, ohne dass mir schlecht wurde und hatte das Gefühl, die wichtigen ersten Eindrücke dadurch zu verpassen. Vor zwei Nächten war ich dann so überwältigt von allem um mich herum, dass ich panische Angst vor der Zukunft bekam, mich gefragt habe, was da alles kommen mag und ob es das wert ist, ob ich jemals hier klar kommen könnte, und zuvor mit mir selbst. Ein kleines Gespräch mit Annika hat mir da erstmal rausgeholfen. Ich muss sagen, es wäre eine Lüge zu behaupten, dass ich den Schönheitswahn hier mag. Sicher, ich konnte mich schon in den ersten Tagen etwas ausprobieren, aber dass einen so schnell das frustrierende Gefühl befällt, den 'Anforderungen' Tokyos nicht zu genügen, das ist... krass. Wie kann es denn sein, dass ich mich in meinem Lieblingsoberteil in Deutschland beinahe gut fühle, und hier ständig fürchte, dass es irgendwo schief sitzt, mir alle ins verschwitzte Gesicht starren etc.? Ich bin gespannt, wie sich das bis Ende des Monats entwickelt, denn viel Geld um mir mehr als ein paar Klamotten zuzulegen, habe ich nicht. Und siehe da. Sie schweifte vom eigentlichen Thema ab, weil das davor hier zu einem so gruselig großen wird.
Ich bin Japan, richtig? Ja, irgendwie schon...
Natürlich ist nicht viel von dem, was man innerlich erwartet hat, Realität. Aber genau das widerum habe ich erwartet. Da kann ich mich noch so viele Jahre zuvor bis ins Details mit Japan auseinander gesetzt haben, ich durchblicke die Menschen, den Alltag, die Stadt nicht wie in Deutschland. Und ich liebe es. Ich will alles entdecken und anfassen, bin ständig verwirrt und muss Hindernisse überwinden, die höchstens Ähnlichkeit mit einigen in Deutschland haben, und das ist gut so. Und sei es nur, nicht wie ein dummer Gaijin zu wirken, wenn man mit der Suica durch die Absperrung geht. ;) Ein paar typische Fehler, wie das Klo nicht bedienen zu können, sind mir übrigens auch schon untergekommen 8D
Ich bin überhaupt nicht wie die Menschen hier und ich werde es auch nie sein, aber ich fühle mich hier tatsächlich nicht negativ fremd. Ich bin einfach da, wo ich noch einen Sinn in mir selbst sehe – zu Hause. Wisst ihr noch, wie man als Kind versucht hat, alle Straßenschilder zu lesen? Ich fürchte, ich muss dringend Kanji wiederholen, aber wenn es klappt, freut es mich jedes Mal.
Auf 10²m Tokyo lässt sich so viel entdecken wie auf 1km² Hamburg. Die Enge und Lebendigkeit in den Straßen der Innenstadt ist stressig und faszinierend zugleich, vor allem, wie sie gemeistert wird. Kaum zu glauben, was hinter diesen (trotz Strom sparen) hell erleuchteten Stadtkulissen alles in diesem Land vor sich geht.
In Deutschland bin ich unterwegs im Übrigen zu 90% damit beschäftigt, die Menschen und Gespräche um mich herum zu ignorieren, weiche manchen liebend gerne im weiten Bogen aus und muss Angst haben, aufs Maul zu kriegen, wenn ich schief gucke. Und hier wird 'Mensch' und das, was seinen Mund verlässt, plötzlich wieder interessant. Die schlechten Erfahrungen werden kommen, irgendwann, aber ich suche mir ja auch kein neues Leben, sondern nur einen anderen Ort dafür.
Erst mal einen Monat erleben.
Lass das erstmal alles richtig auf dich wirken Schnuggel <3
AntwortenLöschenP.S.: Ich bin dein größter Fan ^^